Ich muss mal sagen, da läuft irgendwie was enorm falsch. Manchmal auch richtig, aber auffallen tut das, was falsch ist.
Die Unschärfe nämlich. Oder sagen wir mal allgemein: die Schärfe. Schärfentiefe, Tiefenschärfe. Ja ich fang jetzt nicht von Citizen Kane an, oder doch, das ist doch ein gutes Beispiel, weil es klappt. Irgendwie pure Form, und dann doch wieder nicht, Aufmerksamkeitslenkung durch Schärfentiefe.
Bei 3D haben sie da aber irgendwie nicht dran gedacht. Dass man dann nicht durch Schärfe oder Unschärfe Aufmerksamkeiten und Augenmerke legen kann. Wenn mir die Brille auf meiner Nase suggeriert, dass das, was vor mir ist, plastisch ist, dann darf da ein Objekt, das im Vordergrund ist, nicht unscharf sein. Weil mein Hirn dann gerne scharf stellen will darauf, und es geht nicht, weil es ja optisch unscharf gemacht wurde, und nicht unscharf erscheint, weil es außerhalb meiner Beachtung liegt. Das geht bei zweidimensionalen Filmen problemlos, dass ich mich durch die Schärfen lenken lasse, aber bei dreidimensional sein wollenden Filmen geht es nicht.
Und dann Tilt-Shift-Objektive. hier, in diesem Video:
Auf Photos funktioniert das, Zürich kann aussehen wie eine Modellbauversion seiner selbst, Aber im Film hört es dann auf, wenn die kleinen Modellbaumännchen in die Unschärfe laufen. Irgendwie möchte ich den Machern zurufen: Ja ganz nett, und Formfetischismus ist eine feine Sache, aber es muss gekonnt sein.
Und dann gibt es zum Glück el secreto de sus ojos, dazu folgender Satz, den ich einst als Quintessenz des Films notierte: Unschärfe als Formprinzip, Wahrnehmung ist ein fragiles Ding.
Es funktioniert, die Unschärfe funktioniert, noch mehr: sie geht einher mit dem Inhalt, der Unklarheit, die herrscht. Beides ist unabdingbar miteinander verwoben, der Inhalt und seine Form. Manchmal klappt es eben doch, zum Glück.
ich möchte dazu schreiben und habe keine kategorie dazu;
man steht im wind und schaut auf das meer, der ort so ruhig, ein memorial, ganz sicher.
man schaut auf das meer und man weiß
dass hier die behelmten soldaten einst landeten,
nicht zuletzt dank robert capa,
oder vielleicht zuallererst dank robert capa;
in meinem kopf ist der d-day unausweichlich mit diesen photographien verknüpft, zuallererst,
zuallerallererst.
omaha beach ist so ruhig, und das bleiche gelb, das bleiche grün des grases auf den dünen,
das bleiche blau des meeres; es ist so unglaublich ästhetisch.
was man natürlich nicht sagt, sagen kann,
und doch;
das blut all jener die starben, dort, noch bevor sie an land gekommen waren vielleicht,
ist längst weggewaschen, und das meer ist beständig, und seine wellen brechen schon seit jahrtausenden immerwährend an dieser stelle.
(das meer ist auch eine gewalt, natürlich, nur nicht hier, nicht an diesem strand, nicht in diesen farben, am ende)
man steht, im rücken die grabmale, die namen all jener dort begrabenen, all jener dort gefallenen, deren körper nicht dort liegen, die nie gefunden wurden,
soeben hat man die worte gehört, die anne frank nach der botschaft der ankunft der alliierten in der normandie notiert hat, die hoffnung, die ihr all jene brachten, die dort landeten, all jene auch, die dort starben, ihre worte;
und vor einem das meer in einer kaum fassbaren dichotomie zum kriegsgräuel, das meer in seiner völligen friedfertigkeit, ruhe, stoischen wiederholung, in seiner ästhetik, am ende.
1.) Das Leben ist viel mehr Seifenoper als Seifenopern Seifenoper sein können.
2.) Aber dann sind da manchmal die Momente, die sind wie im Film.
3.) Zugfahren ist meine liebste Art zu Reisen.
4.) Es gibt Lieder, bei denen bleibt einem an bestimmten Stellen das Herz stehen.
5.) In meinem Haus, später: ein großes Badezimmer mit frei stehender Badewanne (mit Goldfüßen)
6.) Tunng: Bullets.
7.) “Das ist es: man kann sich nicht niederschreiben, man kann sich nur häuten.” Max Frisch, Stiller
8.) Rauchgebilde vor einer untergehenden Sonne.
9.) Stolz; ich weiß nicht, ob das wirklich eine gute Sache ist, letzten Endes.
10.) Ein Erzählband einer bestimmten Autorin ist (mit) das Beste, was auf dieser Welt je geschrieben wurde. Da ich diese Worte so liebe, will ich sie für mich allein und nenne den Namen ihrer Schöpferin nie [eine Ausnahme bisher.]
11.) Die Helvetica wird überbewertet.
12.) Ich finde: alles muss zelebriert werden (Regen, Musik, Picknicken)
13.) Die beste Stelle in B. war die verlassene Straße neben den Gleisen.
14.) Alles was cool oder lustig ist, wird uncool und unlustig, wenn es eine StudiVZ-Gruppe dafür gibt.
15.) Kaffee muss manchmal schwarz sein, damit man das Leben spürt.
16.) Götter dieser Welt (meiner): Krzysztof Kieslowski, Darren Aronofsky, Jim Jarmusch. Lars von Trier. Angela Schanelec. Elfriede Jelinek, Hilde Domin, I.R., Julio Cortázar. Serhij Zhadan. John Bramwell, Sven Regener. R. Busse. Heiner Müller.
17.) Integrale Bestandteile des Frühlings: Caprieis und Radlertrinken in den ersten Sonnenmomenten.
18.) Ich bewerte Menschen nach ihren Bücherregalinhalten, DVD-Sammlungen und auch nach der Musik, die sie hören.
19.) Formfetischismus.
20.) Die Poesie von Industrieruinen!
21.) Baden in Seen und im Meer, in Flüssen. Nicht in Schwimmbädern.
22.) Ich glaube: Liebe ist nicht exklusiv.
23.) Was bitteschön ist ein Schlafrhythmus?
24.) “I accept Chaos. I’m not sure whether it accepts me” Jude/Cate/Bob Quinn/Blanchett/Dylan
25.) Gute Worte dieser Welt: Wildwechsel, Treibholz, Phlox, Übersee, surrender, Tennessee. Orinoco!
26.) 50 Dinge sind zu viel und zu wenig zugleich.
27.) Religion ist zuallererst Hingabe. Deswegen kann ich nicht sagen, ich sei nicht religiös. Ich gebe mich hin: der Musik, der Entgrenzung.
28.) Ich habe ein unglaublich großes Faible für Trash. Der beste Burton-Film? Mars Attacks! Musik von Freezepop? Grandios.
29.) “Arrogant” und “ignorant” sind zwei Worte, die mich manchmal ziemlich gut beschreiben.
30.) Und Ignoranz ist dabei so ziemlich die schlimmste Eigenschaft, die man haben kann.
31.) Zu allem was geschieht / mir erzählt wird / ich sehe, kann ich irgendwie eine Verknüpfung zu einem Werk herstellen, “in diesem Buch…” “das ist jetzt wie in dem und dem Film…” “Oh, wie in jenem Lied!”
32.) Ich möchte bitte die Kameraarbeit aus “Soy Cuba” heiraten.
33.) Es gibt ein Lied von Pink Floyd, das meinen Namen trägt. Seit dem ich das weiß, bin ich mit ihm voll und ganz versöhnt.
34.) Mein Geld gebe ich aus für: Konzerte und Bücher.
35.) Und Reisen.
36.) “Vielleicht ist alles nur durch die Sehnsucht verbunden”. Cornelia Funke
37.) Was habe ich nur für ein Gedächtnis.
38.) Wie du dich kleidest; nenn es Mode; Mode – ist nicht Kunst. Eher: Typographie. [Jeans sind dann Times New Roman]
39.) Ich war noch nie außerhalb Europas.
40.) Es gibt nur wenige wirklich lustige Filme auf dieser Welt. Zum Beispiel: “Annie Hall” und “Du Levande”
41.) Heimat ist ein Zustand. ein Innerer. Finde den Punkt an dem du dir selbst du selbst bist.
42.) Plädoyer für die Aufwertung des Wortes “eh”!
43.) Es ist unglaublich unhöflich, im Beisein anderer Menschen SMS zu verschicken.
44.) Manchmal habe ich Lust auf Mentholzigaretten.
45.) “Man möchte immer eine große Lange / Und dann bekommt man eine kleine Dicke / Ssälawih -!” Theobald Tiger
46.) Wofür ich die deutsche Sprache liebe: dass sie Worte hat für “Sehnsucht”, “Ohrwurm”, “verschlafen”
47.) Sommer: der erste (oder ein) Vogel im Baum während man zu Bett geht. Hinter den Zweigen wäscht die Nacht zum Tag aus.
48.) Ich glaube an eine Einzigartigkeit von “Live”.
49.) Der beste Titel, der je einem Dramentext gegeben wurde: “A streetcar named desire”. Und dann nennt der Mensch sich auch noch Tennessee Williams.
50.) Diese Liste lässt mich drei mal prätentiöser und vier mal absoluter erscheinen als ich es letzten Endes bin.
Hier, was ich über das Denken denke:
NATÜRLICH EXISTIERT DIE INSPIRATION.
Und es gibt einen phosphoreszierenden Punkt an dem sich die ganze Wahrheit wiederfindet, aber verändert, verwandelt, – und wodurch? – einen Punkt des magischen Gebrauchs der Dinge.
Und ich glaube an geistige Meteoriten, an individuelle Kosmogonien.
Jeden Donnerstag
penetriert mich Heiner Müller
er dringt in mich ein
das Bemühen der auch sexuell konnotierten Worte
ist unerlässlich, ich fühle, dass nur sie treffend sind;
überhaupt
- notierte ich neulich (oder wollte es notieren aber vergaß —)
dass es im Leben doch letztendlich darum geht,
alles, einander zu
DURCHDRINGEN
der Rest ist der Unterschied
wem ich das gestatte
und wer sich dazu erdreistet
es ohne Einwilligung zu erreichen
(und ob er – oder es – dabei reüssiert
oder nicht)
Der Rest ist Lyrik Wer hat bessre Zähne
Das Blut oder der Stein
#4
auszug und studium, halbparterre. immernoch ein himmelbett. der schreibtisch am fenster. mit dem rad zur uni, zwanzig minuten täglich, über felder, in mir nur wind, musik und sonnenschein. das zimmer vermisse ich kaum, aber die umgebung, die felder, vor allem im winter, schnee und sonne. und der see in wenigen minuten mit dem rad zu erreichen. auch im winter, der fluß ein reißender wasserstrudel. die sekundenschnelle möglichkeit, allem zu entfliehen. und: alleine wohnen. würde ich eine liste schreiben, mit dingen, die ein mensch im leben getan haben muss: alleine gewohnt haben.
#5
ein zimmer mit balkon, ein haus mit terrasse und garten. eine grüne küche, und vier mitbewohner, zwei jungens zwei mädchen. ein enormes wohnzimmer. ein ganzes haus als wg. grüne muster an die wand malen.
das eigene zimmer, kleiner als das vorige, als alle zuvor, mit konzertplakaten behangen. an der wand wie immer photos, postkarten, konzertkarten. auf dem balkon streiche ich die möbel weiß. mit dem rad sind es fünf minuten in die stadt, und die stadt wird immer mehr die meinige.
das bett immernoch als insel, immer und überall als insel, gegenüber vom balkon. holzjalousien, die ich nie ganz herunterließ, malten muster an die wände, morgens, wenn ich heimkam. der erste vogel im baum verkündete den sommer wenn ich mich zum schlafen legte.
ich werde hierhin zurückkehren.