More Than Shirts

April 30th, 2008 § 0

smallermyth

Das war irgendwie ein interessanter Gedanke, ein Artefakt aus einem Artefakt zu machen.

Ob ich so dachte, als ich vor circa drei Jahren dieses Bild stempelte (das leider ein unfreiwilliges Wasserbad nahm, dies nur als Randbemerkung), oder ob ich mich einfach nur kritisch mit Ernesto “Che” Guevara auseinandersetzen wollte, weiß ich nicht mehr.

Der Gedanke liegt aber durchaus nahe – das Bild, auf welches sich obiges bezieht, dürfte allgemein bekannt sein, nicht zuletzt von einer ungezählten Masse an T-Shirts. Mir fällt immer als Erstes diese extreme Vermarktung ein, wenn ich an den Südamerikaner denke.
Als Nächstes denke ich an Zitate – Hasta la Victoria Siempre. Und dann natürlich Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker. Und als Drittes denke ich an einen Film, den ich sah, vor einigen Jahren, und der am Donnerstag, den 1.5.2008 auf arte gezeigt wird:

The Motorcycle Diaries, auf deutsch Die Reise des jungen Che (über die seltsamen Umbenennungen von Filmen könnte man sich lange auslassen, aber es ändert nichts daran).

The Motorcycle Diaries- Ein Film über Ernesto Guevara de la Serna. Über Südamerika. Und ja, über das, was irgendwann einmal Eingang fand in diesen Ausspruch, über Solidarität. Basierend auf Aufzeichnungen von Ernesto Guevara und seinem Freund, Alberto Granado, der ebenfalls mit von der Partie war.

Als ich den Film sah, damals, vor drei Jahren, da blieb vor allem Folgendes hängen:
Die wunderschöne, wunderbar in Szene gesetzte Landschaft Südamerikas. Und die Tatsache, dass diese von Pathos triefende Gestalt, dieses Urbild
eines Revoluzzers, so relativ unprätentiös dargestellt wurde. Endlich wurde einmal kein bloßes Bild verkauft, endlich hatte man einmal das Gefühl, dass es sich um einen ganz normalen Menschen handelt, trotz allem. Von einer Entmythifizierung zu sprechen wäre wohl zu viel, dafür ist der Film zu normal, zu hübsch.

Aber genau so ein Film tut dem Bild, das man sich unweigerlich macht, von Che, wenn man sich mit ihm auseinandersetzt, sehr gut.
Ruhige Töne, Landschaftsbilder, und dazwischen die Menschen, und unter ihnen einer, der erkennt, dass Unrecht geschieht und das dagegen vorgegangen werden sollte.

Man kann sich natürlich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, die Reisetagebücher, auf welchen das Drehbuch basiert, direkt zu lesen, aber ich denke, dass ist dann der nächste Schritt. Zunächst einmal weg vom T-shirt-Konterfeit (mit Vorliebe gedruckt auf CocaCola- pardon- Revolutionsrot), und dann vielleicht weiter gehen,
wenn es interessiert, hin zur kritischen Reflektion über das, was der Mensch Ernesto Che Guevara tat.

Bis dahin würde ich ihn immernoch mit dem Wort Mythos auf ein Blatt stempeln. Aber das Fragezeichen hinter Vision, das würde ich vielleicht weglassen, heutzutage. Oder zumindest um ein Ausrufungszeichen ergänzen.

Info:

Der Film wird am 01.05.08 um 21 Uhr auf arte ausgestrahlt, am 02.05.08 wird er auf dem selben Programm nochmal wiederholt, um 14.55 Uhr. mehr Infos: arte.tv

Wer keinen Fernseher hat aber trotzdem gucken will, der ist bei onlinetvrecorder oder zatoo an der richtigen Adresse.

veröffentlicht auf vereinehemaligernachbarn.de