Einmal und nie wieder.

October 25th, 2008 § 0

Im Grunde hat Pier Paolo Pasolini schon 1975 die Antwort darauf gegeben, ob es eine Gewaltästhetik geben kann, im Film. Jetzt kommt “Salò oder die 120 Tage von Sodom” wieder im Kino.

1944, Italien. Mussolinis faschistisches System liegt schon beinahe in den letzten Zügen. Vier gesellschaftlich und politisch hochgestellte Männer ziehen sich in ein hochherrschaftliches Gebäude zurück. Dort leben sie ihre perversen Phantasien aus – an 24 jungen Menschen.

Pasolini adaptiert das unvollständig gebliebene Manuskript des Marquis de Sade, er verlegt die Handlung in die Mitte des 20. Jahrhunderts, in die Zeit der faschistischen Italienischen Sozialrepublik, auch genannt Republik von Salò [sic!]. Die Narrationsstruktur wiederum ist an Dante Alighieris “göttliche Komödie” angelehnt, eine Dreigliederung: Der Höllenkreis der Leidenschaft, der Höllenkreis der Scheiße, der Höllenkreis des Blutes.

Spätestens jetzt stellt sich die Frage, ob man einen solchen Film überhaupt sehen will, und die Antwort ist meines Erachtens eindeutig: Ja, einmal, und dann nie wieder. Die Bilder prägen sich ein, leider, oder vielleicht auch nicht leider.

Was in anderen Filmen Pasolinis, zum Beispiel in “Medea” von 1969, noch möglich war, die Rückkehr des Menschen zur ursprünglich guten Natürlichkeit über die Kunst (Malerei, Film usw.), ist in diesem Film, der zwangsläufig Pasolinis letzter sein sollte, wurde er doch im November 1975 ermordert, nicht mehr möglich. Die Zivilisierung führte zum Faschismus, die Menschen sind abgestumpft, sie ergötzen sich an der Qual anderer. Um es mit den Worten eines anderen, Godards, zu sagen: Fin de Conte. Fin de Cinema (Schlusstafeln in WeekEnd).

Wer nicht über ein schwaches Gemüt verfügt (oder wer schon so weit abgestumpft ist, dass ihn solche Bilder kalt lassen, aber das möchte ich niemandem unterstellen), der hat nun die Möglichkeit, den Film im Kino zu sehen, und kann sich dann selbst die Antwort auf die eingangs aufgeworfene Frage nach der Möglichkeit einer Gewaltästhetik geben. Filmhistorisch ein wichtiger Film, den zu sehen es sich lohnt, einmal und dann nie wieder, es sei denn, man ist masochistisch veranlagt. (Wobei diese Einschätzung in zeiten von “2 girls, 1 cup” wohl auch relativ ist…)

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