October 30th, 2009 §
Frank Mills
Der assistant director des frühen hitchcocks. eine fiktionale figur aus einem musical.
saß neben monsieur suspense auf einem der schicken klappstühle bei filmen wie “murder!” oder “easy virtue”. wird in “hair” im nach ihm benannten lied gesucht. scheint sich noch vor hitchcocks abgang (soll heißen: fortgang nach amerika) lediglich ein weiteres mal im filmischen bereich betätigt zu haben, als produzent. und ich will schließen mit folgenden worten, in meinen ohren gesungen von evan dando: i would gratefully/appreciate/ it if you see him/ tell him /i’m in the park with my girlfriend and please/ tell him angela and i/ don’t want the two dollars back/ just him..
[Doppelgänger ist eine Art Exploration, eine Reihe von Texten die in irgend einer Weise mit dem Begriff in Verbindung zu bringen sind. Andrew Bird war der erste doppelte Mensch, Kieslowskis La double vie de Veronique war ein Ausflug ins Kino. Weitere bald ]
October 27th, 2009 §
#4
auszug und studium, halbparterre. immernoch ein himmelbett. der schreibtisch am fenster. mit dem rad zur uni, zwanzig minuten täglich, über felder, in mir nur wind, musik und sonnenschein. das zimmer vermisse ich kaum, aber die umgebung, die felder, vor allem im winter, schnee und sonne. und der see in wenigen minuten mit dem rad zu erreichen. auch im winter, der fluß ein reißender wasserstrudel. die sekundenschnelle möglichkeit, allem zu entfliehen. und: alleine wohnen. würde ich eine liste schreiben, mit dingen, die ein mensch im leben getan haben muss: alleine gewohnt haben.
#5
ein zimmer mit balkon, ein haus mit terrasse und garten. eine grüne küche, und vier mitbewohner, zwei jungens zwei mädchen. ein enormes wohnzimmer. ein ganzes haus als wg. grüne muster an die wand malen.
das eigene zimmer, kleiner als das vorige, als alle zuvor, mit konzertplakaten behangen. an der wand wie immer photos, postkarten, konzertkarten. auf dem balkon streiche ich die möbel weiß. mit dem rad sind es fünf minuten in die stadt, und die stadt wird immer mehr die meinige.
das bett immernoch als insel, immer und überall als insel, gegenüber vom balkon. holzjalousien, die ich nie ganz herunterließ, malten muster an die wände, morgens, wenn ich heimkam. der erste vogel im baum verkündete den sommer wenn ich mich zum schlafen legte.
ich werde hierhin zurückkehren.
[wo ich wohnte I, wo ich wohnte II]
October 24th, 2009 §
#3
auf den berg, das haus meiner großeltern, die obere wohnung, ein zimmer gemeinsam mit der schwester, wie zuvor schon. noch während dem umbau verstirbt der großvater in der unteren wohnung. wir ziehen nach einer weile, ein jahr vielleicht, in die untere wohnung. ein eigenes zimmer, blaue möbel, silberne vorhänge, es ist der stoff des vorhangs, der mein zimmer von dem meiner mutter abtrennte, damals, in der vorigen wohnung. zwei fenster über eck, groß, und in dem eck mein schreibtisch. darunter eine höhle, manchmal, und obenauf ein schiff, ich mit meiner daunendecke und einem buch auf dem schreibtisch, draußen vor dem fenster wiesen und etwas weiter weg der wald. in diesem wald war ich zora und meine schwester ronja;
(bin ich jetzt bei meiner mutter zu besuch, so schlafe ich im selben zimmer; in der fensterecke steht nun das gästebett, schreibtisch gibt es keinen mehr, die wände säumen bücherregale).
mein umzug ins dachgeschoss, zwei zimmer in einem, ein eigenes kleines bad und dachfenster; zugänge zum dach. (nachts auf dem dachfirst sitzen und heimliche zigaretten rauchen —)
das bett unter dem dachfenster, nur der himmel über mir; und der regen der unablässlich auf mich herabfiel. nie mehr kann ich in abgedunkelten räumen schlafen, wo ich so lange jahre friedlich im sonnenschein schlief.
[wo ich wohnte I]
October 21st, 2009 §
La double vie de Veronique
1991, Krzysztof Kieslowski.
mit Irène Jacob. Musik: Zbigniew Preisner.
Veronique, Weronika. Polen und Frankreich. Sehen sich unglaublich ähnlich. Oder sind die selbe? Leben das selbe Leben zweimal? einmal in Frankreich, einmal in Polen? Sehen sich einmal, zufällig, und weiter? Leben — und Tod?
Kieslowski, sowieso einer der mir Liebsten. Perfekte Kameraführung, perfekte Narration. Und vor allem perfektes Zusammenspiel von Musik und Bild. Plötzlich mochte ich klassischen Chorgesang mit hohen Frauenstimmen. So viel Perfektion kann kaum sein, natürlich, aber Kieslowski —
Romane ließen sich verfassen über diesen Film, nicht zuletzt im Bezug auf die Drei-Farben-Trilogie, doch er soll allein stehen, kann allein überzeugen, und soll es auch tun — ohne zu viele weitere Worte sei eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen.
Darüberhinaus hier der Trailer.
[Doppelgänger ist eine Art Exploration, eine Reihe von Texten die in irgend einer Weise mit dem Begriff in Verbindung zu bringen sind. Andrew Bird war der Erste, weitere bald ]
October 19th, 2009 §
#1
was bleibt ist das lichtdurchflutete dachgeschoss, es war eine wg die ein ganzes haus bewohnte, und ein mann wohnte im dachgeschoss, und ein einziges bild ist in meinem kopf, ganz und gar überbelichtet; vor dem fenster bewegten sich zweige.
#2
die lange treppe hinauf zur wohnung, mein zimmer vom zimmer meiner mutter durch einen vorhang getrennt. ein balkon, ein garten mit rießigem haselnussbaum. eine schaukel neben der treppe. zwei toiletten, die eine ganz in grün, direkt neben dem eingang. die andere mit richtigem schlüssel zum abschließen; zuschließen war einfach, auf bekam ich sie nicht mehr; den schlüssel zum fenster hinaus werfen, dort fiel er in eine wanne, die gänzlich grün war von algen. im erdgeschoss wohnte lisa mit ihren eltern, und waldi, einem hund, schwarz und groß wie ein kalb, vor allem für kleine kinder. einmal hatte er zecken, die aussahen wie reißnägel. in unserer wohnung ein zimmer, das vermietet wurde, sean wohnte darin, er war ire. einmal war ich mit ihm in der nahen stadt, ich bekam unmengen an süßigkeiten geschenkt, auf dem rückweg von der bahn zum haus musste ich unglaublich dringend aufs klo. was für ein wunder, dass ich die treppe noch hinauf kam. liz aus england wohnte auch in dem zimmer, vor oder nach sean, sie aß unglaublich gerne marmalt.
(“wo ich lebte” wäre treffender, aber die prosodie… weitere orte folgen. inspiriert von perec, espèces d’espaces.)
October 16th, 2009 §
Der Name der Aktion ist irgendwie leicht langweilig, aber nichtsdestotrotz ist es eine formidable Idee…
Ze zurrealism itself
- für wunderbare Texte mit dem genau richtigen Grad an Bissigkeit; und für alle, die schon immer wussten: Hesse lesen ist unnötig!
Plastikleben
- sprachlich mit meine liebste Lektüre, der Alltag so herrlich ins Sprache eingefangen. Hier sei stellvertretend Großartig, wie ich mit acht dachte erwähnt.
Mare Litterarum
- Eine Assoziationskette zweier Schreiberinnen, immer abwechselnd, vom vorherigen Text inspiriert, ein feiner Stream of Consciousness; Eskapisimi & Eklatisimi
Regendach
- Das schöne Leben strahlt so sehr aus diesen Worten(über Küsten- und Windkarten, zum Beispiel)
Ein Buch muss die Axt sein
- Endlich ein gutes, schönes, lesenswertes Weblog über Bücher. Über Lyrik zum Anfassen hin bis zu herrlichen Verissen.
October 15th, 2009 §
Andrew Bird
ist Musiker. und ist Cutter. Ist einmal Kanadier und einmal in Deutschland lebender Engländer.
Hat uns einmal Texte beschehrt wie why do they congregate in groups of four / scatter like a billion spores / and let the wind just carry them away und zum anderen sämtliche Filme von Fatih Akin geschnitten.
Ist, nebenbei gesagt, unglaublich schön, oder aber kaum auf Bildern zu finden.
Andrew Bird ist hochgradig talentiert. Wenn er auf der Bühne steht und sich selbst aufnimmt, Loop über Loop legt und beim Violinespielen die Augen schließt. Wenn er mit Akin feststellt, dass der Plot von auf der anderen Seite so wie er im Drehbuch steht, nicht funktioniert, und sie deshalb im Schnitt alles umwerfen. Wie wichtig der Schnitt ist!
Andrew Bird – Akin über Andrew Bird – Andrew Bird Black-Session – Andrew Bird
[Doppelgänger ist eine Art Exploration, eine Reihe von Texten die in irgend einer Weise mit dem Begriff in verbindung zu bringen sind. Andrew Bird ist der Erste, und weitere werden planlos folgen.]