Certainement —

April 5th, 2010 § 0

Hier, was ich über das Denken denke:
NATÜRLICH EXISTIERT DIE INSPIRATION.
Und es gibt einen phosphoreszierenden Punkt an dem sich die ganze Wahrheit wiederfindet, aber verändert, verwandelt, – und wodurch? – einen Punkt des magischen Gebrauchs der Dinge.
Und ich glaube an geistige Meteoriten, an individuelle Kosmogonien.

Antonin Artaud, Die Nervenwaage

Manchmal muss man sozusagen zum Anfang zurückkehren, und dann brauche ich -
diese Worte. Certainement l’inspiration existe.

strange days.

April 3rd, 2010 § 0

und dann das abfeiern des mediums films am ende selbst,
hier ist alles möglich
that’s the stuff fairytales are made of.
lasst uns über die perfekt plazierten messer sprechen, das perfekteste gibt es nämlich in strange days. ganzganz anders aber ähnlich virtuos wie bei hitchcock (mehr als psycho natürlich blackmail in seiner dreistufigkeit).

further reading: notes on camp, susan sontag (auch interessant im bezug auf burtons alice…)

that’s the stuff films should be made of.

[kathryn bigelow (regie), james cameron (script)]

Filmtagebuch: das weiße Band.

March 20th, 2010 § 0

Ich führe ein Filmtagebuch, Filme die ich im Kino sehe, werden dort aufgelistet, Gedanken notiert (alle Filme, die ich sehe dort zu erfassen, würde den Rahmen sprengen). Von nun an hier Auszüge aus dieser Sammlung, den Anfang macht heute das weiße Band (die 13 Nominierungen beim deutschen Filmpreis würden, wenn man will, einen aktuellen Bezug herstellen). Wer den Film nicht sah, und noch sehen möchte, der sei hiermit vorgewarnt, darauf wird nach dem Klicken keine Rücksicht genommen.

Wie sehr auf die Bilder vertraut wird, ist grandios. Keine Musik außerhalb der in die Handlung eingebetteten (ja, sicherlich der alte Hut bei Haneke). Doch viel mehr: Das Licht. Vollkommen auf intradiegetische Lichtquellen wird vertraut, beinahe. Fackeln, Kerzen. Eine Türe, durch die ein Lichtschein fällt. Aus dem Schwarz heraus beginnt der Film; im Schwarz endet er. Dazwischen das weiße Band. In der Exposition wird es bereits eingeführt, später werden die Bänder geschnitten, vorbereitet für ihre Verwendung. Danach sind sie einige wenige Male zu sehen. Der Pastor wiederholt wortwörtlich die Worte, die er anfangs sprach. Das genügt, sie den ganzen Film über präsent zu halten. Namensgebend sind die Bänder auch, natürlich. Aber gebraucht hätte es das nicht unbedingt.
Als ihr klein wart, hat eure Mutter euch bisweilen ein Band ins Haar oder um den Arm gebunden. Seine weiße Farbe sollte euch an Unschuld und Reinheit erinnern.

Wie immer bei Haneke: Die Kamera schaut zu, sie beobachtet nicht einmal, oder nur sehr still. Sie ist Zeuge. Sie verfolgt nicht, sucht nicht. Macht den Film ruhig, macht den Film unerträglich.

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arbeit ist hoffnung.

March 18th, 2010 § 1

[...] und gehe weiter in die Landschaft, die keine andere Arbeit hat als auf das Verschwinden des Menschen zu warten.

Heiner Müller, der Auftrag

(fliegen); zwei mit einer —

March 4th, 2010 § 0

Ich weiß jetzt meine Bestimmung. Ich werfe meine Kleider ab, auf das Äußere kommt es nicht mehr an. Irgendwann wird DER ANDERE mir entgegenkommen, der Antipode, der Doppelgänger mit meinem Gesicht aus Schnee. Einer von uns wird überleben.

Heiner Müller, (der Mann im Fahrstuhl); Der Auftrag

drahtseilakt.

February 27th, 2010 § 0

“Das ist jetzt nicht so wichtig”, sagt Maike schnell.
“Immer wenn’s nicht so wichtig ist, geht es um Sex oder Nazis!”, kräht Liam.
“Sei nicht oberschlau!”, sagt Maike.
Sofort wirft Liam die Gabel beiseite.
“Die Nazis haben Drahtseile über die Straßen gespannt, um den Amis im Cabrio den Kopf abzuschneiden. Das hab ich im Fernsehen gesehen!”
“Iss deinen Broccoli”, sagt Sebastian.
“Das ist Rucola“, sagt Maike.

Juli Zeh, Schilf

schreibt schreiben worte —

February 23rd, 2010 § 0

schreibtschreibenworte

wordle via achtmilliarden.

ad bergman.

February 22nd, 2010 § 0

zum beispiel: am 31.7.2007 stieg ich in malmö aus dem zug, den halben tag hatten wir im zug quer durch dänemark verbracht. die nacht zuvor am fährhafenbahnhof puttgarden. von den zeitungen schrie uns laut entgegen: ingmar bergman ist gestern gestorben.

aber vor allem jener gedanke, der soeben aufblitzte, kurz: wie perfekt es eigentlich sein muss, als letzten film jenen zu drehen, der sich aufbaut auf einen deiner anderen filme, manche sagen: auf deinen bekanntesten, erfolgreichsten film (aber woran misst man das?).

zum beispiel sarabande. das kam in deutschland auch im fernsehen, damals. vielleicht 2003. ich war da jünger, bergman sagte mir wohl nichts. saß auf der couch meines vaters, schaute halb den film an, der dort lief, mit der frau meines vaters. und irgendwann sprach sie von ‘bergman’ und ’sarabande’. welch herrlich unbekanntes wort. dies war der erste bergmanfilm, den ich sah, wohl. zum beispiel das.

(21.01.2010)

orly.

February 16th, 2010 § 0

sechs eins zweinulleinsnull;
nach zwei weißen nächten; orly.
busundbahn durch berlin bis tegel, schnee.
und abflug im dunkel;
ankunft achtuhrfünfundvierzig; orly.
beweglicher boden und der blick durch endloses glas
und draußen die flache sonne
und die farben
und irgendwo eine ahnung paris;
sonne auf den dächern.

gedanken
ob der farben;
ein film müsse hier stattfinden,
ich fühle mich wie bei kieslowski.
die farben
und die intense stille.
stille nicht; ruhe.
und dann auch: tristesse.

(gelesen, soeben:
orly, angela schanelec;
der film ist schon)

(vom begreifen) ohne worte (selbst zu schreiben)

February 12th, 2010 § 2

und komme doch nicht umhin;

(angenommen sie las das weblog, oder das buch, und es gefiel ihr so unglaublich gut, dass sie “sowas” schreiben wollte.
aber warum. schreibt sie es dann ab. man möchte schreiben, ein buch schreiben, natürlich, aber: warum schreibt sie dann nicht, sondern schreibt ab. (warum schreibt sie dann nicht alles selbst, sondern schreibt teile ab. so müsste dieser satz natürlich heißen). erstens: bekunde ich dadurch respekt vor dem geliebten werk? nein, so nicht. zweitens: wenn es ein ansporn war um zu schreiben, dann kann es doch nicht befriedigen, die worte einfach abzuschreiben, das kann doch gar nicht sein.
und wenn sie sagt sie müsse sich ausdrücken, das alles schreiben, ja natürlich, kann ich nachvollziehen, sehr gut sogar, aber; wenn es ein anderer war, der die worte fand, die einen ausdrücken, wie kann man dann auf die idee kommen, sich diese worte anzueignen; sie drücken einen doch ohnehin schon aus. und wenn sie es nur annährend tun, und man präzisieren möchte: immer gerne, aber – dann sollte man sie sich nicht nur aneignen, sondern auch weitertragen, transformieren, verbessern, und dann würde ich auch nichts dagegen sagen, denn dann wären sie in gewisser weise eigen. ihr eigen.

angenommen, sie entdeckte die worte des anderen erst, als sie gezielt nach etwas suchte, dass ihrem text “mehr autentizität” verleihen würde. was ein eingeständnis; ich merke, ich selbst kann es nicht aufschreiben, ich brauche andere worte. nicht verwerflich, wären sie inspiration gewesen. aber statt sich von ihnen zu eigenen worten führen zu lassen, hat sie sie einfach abgeschrieben.

ich habe das gefühl, dass ich ganz viel produzieren muss” – das sind dann letzten endes doch nur schale worte, wohl.)

es ist mir vollkommen unbegreiflich, ich meine das wortwörtlich, ich kann es nicht fassen mit meinem kopf und auch nicht in worte, vielleicht; was zum teufel ist bei ihr der “schreibprozess”.

nachtrag: achso, es ist intertextuell. mhm.